Chapter Text
Mit Genugtuung betrachte ich den Erstarr-Orb in meiner Hand.
„Danke für deine Hilfe“, sage ich zu der perfekt gearbeiteten, bronzefarbenen Kugel und lasse sie zurück in meine Manteltasche gleiten. Dann werfe ich erneut einen Blick auf die am Boden liegende Hohepriesterin, um mich zu vergewissern, dass sie sich auch wirklich nicht mehr bewegen kann. Ich stupse sie prüfend mit der Fußspitze an, aber der Orb scheint seine Arbeit gut gemacht zu haben. Sie hat immer noch denselben erschrockenen Ausdruck im Gesicht wie in dem Moment als ich ihr den Orb entgegengestreckt habe und dessen Macht sie nichts entgegen setzen konnte.
Wie sie so versteinert am Boden liegt, außerstande ihr Heiligtum vor mir zu bewahren, könnte sie einem fast Leid tun.
Aber nur fast. Denn im Grunde bin ich einfach nur erleichtert, dass es funktioniert hat. Ohne den Orb wäre es wesentlich lästiger gewesen mit Selfe fertig zu werden.
Ich richte meine Aufmerksamkeit wieder darauf, wofür ich eigentlich hier bin. Es ist nicht besonders schwer die Stelle im See, wo sich das Zahnrad der Zeit befinden muss, ausfindig zu machen. Mein Blick zuckt ein letztes Mal zu Selfe, dann trete ich an den Rand des Ufers und strecke den Arm aus. Ich konzentriere mich auf das türkisfarbene Licht im Wasser und lenke meine Pflanzenranke genau dort hin.
„Verdammt, jetzt komm schon!“, fluche ich als ich das Zahnrad damit nicht auf Anhieb aus dem Wasser fischen kann. Seitdem ich nur noch mit einem Auge sehen kann, ist meine räumliche Wahrnehmung echt für den Arsch und ich verfehle die richtige Stelle mehrmals. Irgendwann schaffe ich es trotzdem und halte schließlich tatsächlich schon das zweite Zahnrad der Zeit in meinen Händen. Es sieht zwar genau wie das aus, das ich im Schemengehölz gefunden habe, dennoch betrachte ich es für ein paar Augenblicke fasziniert, bevor ich es schließlich in meiner Tasche verschwinden lasse, wo es klirrend gegen das andere schlägt.
Ich beeile mich zurück zur Treppe. Die Wirkung des Orbs würde zwar angeblich mehrere Stunden, wenn nicht sogar Tage anhalten, doch das stehenbleiben der Zeit in dieser Region würde dafür jetzt sehr bald passieren. Mein Proviant und Wasser reichen mir vermutlich nur noch für drei Tage. Grund genug, diesen nervigen Wald jetzt so schnell wie möglich hinter mir zu lassen.
Ich weiß schon genau, wohin ich als nächstes will.
