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Fandom:
Relationship:
Characters:
Additional Tags:
Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2017-01-28
Completed:
2017-04-03
Words:
27,890
Chapters:
15/15
Comments:
63
Kudos:
175
Bookmarks:
16
Hits:
3,125

Vor Mitternacht

Summary:

Über die Lücken in der Vereinbarung, die sie so ja eigentlich nie getroffen hatten.

Notes:

A/N: Inhalt? Meine Version der üblichen Geschichte.

Angefangen vor anderthalb Jahren, also lange vor den bisher hier geposteten one-shots, beendet vor einem Jahr.
HollyHop und CornChrunchie geschenkt, für Boernepedia, die News, die Pics, die Gifs, die Manips, die Videos, alles.

Beta? Ja, HH und CC. Ich habe alle Hinweise und Anmerkungen bearbeitet und dann noch so oft nachlektoriert und Korrektur gelesen, dass ich denke: Das geht so nicht. Oder doch? Was soll’s, raus damit.

Warnungen? Jede Menge: Introspektion. Kein Plot. Schon gar kein Krimiplot, der tut nur so. Zu wenig Nadeshda, Alberich, Vaddern und Klemm. Kein Spannungsbogen. Komische Kapitelaufteilung. Introspektion. Glaubt mir, das ist eine Warnung. Aber lest selbst.

Chapter Text

Teil 1

 

***

 

Es war wieder so spät geworden. Und Thiel so langsam. Er war jetzt wirklich durch. Von wegen Feierabend. Ins Bett wollte er, sonst nichts. In viel zu wenigen Stunden musste er wieder viel zu aufmerksam sein. Nicht mehr so langsam. Dran an der Sache.

Thiel haderte. Hatte er jetzt noch Hunger oder nicht? Schwer zu sagen. Er erinnerte sich an den kalten Kartoffelsalat mit Würstchen, den ihm Nadeshda aus der Kantine mitgebracht hatte. Das war lange her. Dann fiel ihm das Fleischbrötchen wieder ein. Mist. Er hatte schon wieder nur Fleisch gegessen heute. Warum passierte das immer? Nun gut. Also lieber morgen richtig frühstücken. So im Sitzen und so. Na, mal seh’n.

Er war müde. Ab ins Bett. Thiel duschte, wusch kräftig alles von sich runter und ließ sich vom warmen Wasser aufweichen. Es war anstrengend gewesen mit dem Tatverdächtigen heute. Ein elendes Verhör. Und zwischendurch neue Informationen und Ergebnisse. Das mochte er nicht. Seine Verhöre hatten ihr eigenes Tempo und er zog es vor, keine Volten schlagen zu müssen, nur weil plötzlich klar war, dass doch jemand anderes mit der Ermordeten… Ach egal. Am Ende war es nicht wichtig gewesen. Er hatte das Verhör trotzdem mit dem Richtigen geführt.

Der Duft des Duschgels weckte ihn wieder ein bisschen auf. Ins Hier und Jetzt. Er sah dem Schaum im Abfluss nach und roch entfernt Zitrone. Er machte sich bettfertig und zog eine neue Jeans an. Über sein Schlafshirt einen frischen Pulli. Konnte er ja dann morgen auch anziehen, dachte er. Die Sachen von heute wanderten allesamt in den Wäschekorb. Thiel schaute auf die Uhr. Halb zwölf. Sie hatten gesagt, bis Mitternacht. Also war es ok. Spät, na ja, das schon. Mal seh’n.

Er ging zur Tür hinaus, auf den Hausflur, und klingelte. Aber es blieb still. Thiel konnte an der Tür nicht erkennen, ob drüben noch Licht brannte. Er klingelte noch einmal, aber nur kurz. Nichts. Na ja. Dann halt nicht. Schlief der halt schon. Auch ok. Er drehte sich um und machte zwei Schritte, als Boernes Tür plötzlich doch aufging.

„Herr Thiel, so warten Sie doch!“ Boerne flüsterte laut, was Blödsinn war, weil er genauso laut war, wie wenn er normal gesprochen hätte.

„Sie sind ja doch noch wach.“

Ehe Thiel mehr sagen konnte, deutete ihm Boerne, näherzukommen und zog ihn, kaum, dass er in Reichweite war, zu sich und weiter in seine Wohnung.

„Es hat noch nicht Mitternacht geschlagen, werter Thiel. Ich war im Bad und bin jener zivilisatorischen Errungenschaft nachgegangen, die man gemeinhin als Körperhygiene bezeichnet. Und ich habe diese auch noch nicht abgeschlossen. Machen Sie es sich bequem, Herr Nachbar, Sie wissen ja, wo’s langgeht, nicht?“

Boerne klang, wie Boerne klang. Als hätte er erwartet, dass Thiel noch klingeln würde. Thiel grinste ihm schief hinterher, während Boerne wieder im Bad verschwand. Sie hatten gesagt, bis Mitternacht, nachdem Boerne ihn einmal um halb drei aus dem Tiefschlaf gerissen hatte. Also hatte Boerne recht, wenn er Thiels späten Besuch nicht weiter kommentierte.

Thiel zog die frische Jeans und den Pullover aus und legte sie über das Sofa. Dort würde er die Sachen auch bei Dunkelheit gut wiederfinden. Er hörte Boerne Zähne putzen und ging ins Bett. Kurz dachte er an die Ungereimtheit mit den Parkzeiten des Wagens von heute, die er unbedingt noch zu klären hatte. Sein morgiger Bericht musste ein stimmiges Bild abgeben, Frau Klemm würde auffallen, wenn da etwas nicht zusammenpasste, Geständnis hin oder her.

Aber da schloss schon eine Tür, Lichtschalter wurden betätigt und das Bett gab nach. Sie schliefen miteinander und als Thiel dann das zweite Mal wach wurde, schlich er aus dem Zimmer, zog sich in der Dunkelheit seine Sachen über, ließ die Haustür so leise wie möglich ins Schloss fallen und fiel bei sich selbst geradewegs wieder ins Bett.

Am Tag darauf war alles wie immer. Thiel arbeitete. Boerne arbeitete. Manchmal sahen sie sich, meistens nicht. Und abends würde er manchmal bei Boerne klingeln oder Boerne bei ihm. Bis Mitternacht, hatten sie gesagt, war es immer in Ordnung. Dann bestand immer noch die Aussicht auf ein paar Stunden Schlaf. Also wurde bei Mitternacht die Grenze gezogen.

Das Arrangement funktionierte. Und zwar erstaunlich gut. Reden war überbewertet.

 

~~~oOo~~~

 

Wenn Thiel nachdenken würde – über die ganze Sache wirklich aktiv nachdenken – würde ihm auffallen, dass viele Fragen im Raum standen. Aber er dachte nicht nach und er konnte sie nicht sehen. Geschickt, wie er in diesen Dingen war, ignorierte er sie, selbst wenn er mal dagegenstieß. Reden war überbewertet. Das machte er auf Arbeit manchmal den ganzen Tag. Fallbesprechungen, Anweisungen, Erläuterungen. So viel Gerede, das brauchte er daheim nicht auch noch. Wenn Thiel nachdenken würde, würde er aktiv den Gedanken zu fassen kriegen, dass Monate schon eine lange Zeit war. Monate klang zwar vage, aber eben: lang.

Wenn Thiel nachdenken würde, wäre ihm schnell klar, dass der Lauf der Dinge bald eine andere Richtung einschlagen würde – ob gewollt oder nicht. Er würde einsehen, dass man nicht kommentarlos miteinander schlief und tagsüber so tat, als wäre nichts. Thiel würde der Gedanke kommen, dass das alles eine Charade war, die vor allem ihnen selbst galt. Der Gedanke kam ihm aber nicht. Thiel dachte nicht nach. Es funktionierte. Erstaunlich gut sogar. Es lief, Boerne stellte sich nicht an. Keine Spitzen und schon gar keine Monologe. Alles ganz unkompliziert.

Boerne dachte auch nicht nach.

Es funktionierte nämlich erstaunlich gut, auch für ihn. Alles hatte seine Ordnung, alles hatte seinen Platz. Boerne mochte eine sehr irreguläre Person sein, aber er wusste die Regelmäßigkeit von Handlungen und Ereignissen genauso zu schätzen wie Thiel. Immer dieselben Opern in immer neuen Aufführungen. Immer dieselbe Vorlesung vor immer neuen Studenten. Immer dieselben Leichen mit immer neuen Geheimnissen. Immer dieselben Sticheleien mit Alberich und Thiel in immer neuen sprachlichen Abwandlungen.

Boerne brauchte Rituale, gewohnte Abläufe, bekannte Muster, um in diesem festen Rahmen mit seiner Originalität erst recht zu exzellieren, um sich hinauszuwagen und seine Tricks vollführen zu können. Und deshalb kam ihm das Arrangement, das sie so ja eigentlich nie getroffen hatten, sondern das sich einfach so ergab, nicht minder zupass als Thiel.

Boerne hielt an tradierten Verhaltensweisen fest, war aber nicht konservativ. Ein Mann seines Standes, mit seiner Energie und seinem Charme hatte natürlich eine Gespielin. Nur hatte er eben einen Gespielen. Bei dem er höflich klingelte und um Einlass bat. Alles ganz korrekt, nur eben nicht ganz klassisch. In Boernes Welt funktionierte das. Erstaunlich gut sogar. Boerne verschwendete keinen aktiven Gedanken an die Lücken in der Vereinbarung, die sie ja eigentlich nie getroffen hatten. Reden war überbewertet.