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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2026-05-30
Words:
1,051
Chapters:
1/1
Comments:
3
Kudos:
18
Hits:
85

Ferngespräch

Summary:

Lukas will seinem Vater endlich von seiner Beziehung erzählen, leider hat er keine Ahnung, ob der damit ein Problem haben könnte.

Notes:

Nachdem ich die Fic geschrieben habe, hab ich festgestellt, dass Khalaris eine sehr ähnliche Fic geschrieben habe. Ich muss die vorher schonmal gelesen haben, war aber schon länger her. Einige Teile hier sind wirklich sehr ähnlich, eventuell hat mein Unterbewusstsein da was ausgegraben. Das war definitiv nicht bewusst, aber ich wollte es der Fairness halber natürlich erwähnen. Die Fic findet ihr hier.

Work Text:

Lukas starrte nervös auf das Telefon in seiner Hand. Er hatte mit seinem Vater abgemacht, dass sie heute wieder telefonierten, sie versuchten wenigstens einmal im Monat einen Termin zu finden und er hatte sich vorgenommen, dass er ihm endlich von seiner Beziehung erzählte. Er hatte nur keine Ahnung, wie sein Vater darauf reagieren würde und seine Mutter hatte zugeben müssen, dass sie es auch nicht wusste. War damals einfach nie Thema gewesen. Wenn er ein Problem damit hatte, lebten sie immerhin weit genug auseinander, dass er nichts befürchten musste. Aber Lukas wollte auch nicht riskieren, dass der Kontakt zu seinem Vater abbrach.

Das Telefon klingelte und Lukas zuckte zusammen, er starrte auf das Display. Seine Mutter legte ihm eine Hand auf die Schulter und stand dann auf.

"Wird schon", sagte sie mit einem Lächeln und dann verschwand sie, um ihm ein bisschen Privatsphäre zu geben. Er drückte endlich auf den grünen Knopf und hielt sich das Telefon ans Ohr.

"Hallo Papa", sagte er.

"Hallo Lukas, wie geht's dir?" fragte sein Vater.

"Ja gut und dir?" Er spürte, dass ein bisschen Angst in seiner Stimme mitschwang.

"Auch gut, aber sag mal, irgendwas ist doch los." Sein Vater hatte es also auch bemerkt, dabei war er sonst gar nicht so gut bei sowas. Dann konnte er ja auch damit rausrücken.

"Ich muss dir was sagen", sagte er, seine Stimme zitterte. So nervös war er bei seiner Mutter nicht gewesen, aber er kannte sie einfach besser und hatte gewusst, dass sie da tolerant ist. Bei seinem Vater hatte er da keine Ahnung.

"Ist was passiert?" fragte er plötzlich besorgt. "Ist was mit deiner Mutter?"

Oh verdammt, er hatte ihm keine Angst machen wollen.

"Nein, ihr geht's gut, ist auch nichts passiert, ich bin nur nervös, weil ich nicht weiß, wie du drauf reagieren wirst." Jetzt musste er es ihm erzählen.

"Na komm, raus damit, wie schlimm kann es schon sein?"

Lukas holte nochmal tief Luft.

"Ich hab einen Freund", sagte er, er spürte sein Herz rasen und ihm war ein bisschen schlecht vor Nervosität.

Ganz kurz war es ruhig.

"Freund Freund?" fragte sein Vater nochmal.

"Boyfriend", antwortete Lukas. Dass es im Deutschen da auch keine richtige Unterscheidung gab, das musste doch ständig zu Missverständnissen führen. Und sein Vater am anderen Ende der Leitung lachte. Lukas war nicht sicher, was daran so lustig war. Aber es dauerte nur Sekunden, bis er wieder sprach. Lukas konnte ein leichtes Grinsen im Unterton hören.

"Das trifft sich gut, ich wollte dir auch erzählen, dass ich einen Freund habe. Also Boyfriend. Sagt man das in meinem Alter noch so? Bestimmt nicht." Jetzt lachte er nervös. Das überraschte Lukas jetzt aber doch sehr. Immerhin hatte seine Mutter nicht mal gewusst, wie tolerant sein Vater da war, dann konnte sie auch nicht gewusst haben, dass er auf Männer steht.

"Keine Ahnung", sagte Lukas und lachte. Er fühle sich gerade verdammt erleichtert.

"Wie heißt er denn, dein Freund?" wollte sein Vater jetzt wissen.

"Chris", antwortete er und jetzt schlich sich ein glückliches Lächeln in sein Gesicht, als er an Chris dachte. Und dass sein Vater damit überhaupt kein Problem hatte machte es noch etwas besser. Die Sorge war die eine Sache gewesen, die seine Freude getrübt hatte. "Wir sind seit zwei Monaten zusammen. Und deiner?" wollte er noch wissen.

"Karl-Friedrich", antwortete sein Vater. Das war ja mal ein Name, aber der Mann konnte ja nichts dafür, wie seine Eltern ihn genannt hatten. "Du kennst ihn auch", fügte er noch hinzu. Jetzt ging Lukas im Kopf schnell durch die paar Freunde von seinem Vater, die er kennen gelernt hatte, wenn er in Deutschland war, aber er konnte schwören, dass keiner von ihnen so hieß. "Der nervige Typ von gegenüber", fügte sein Vater noch hinzu.

"Boerne?" entfuhr es Lukas jetzt. Die beiden hatten sich ja wirklich auch ein bisschen wie ein altes Ehepaar verhalten. Und sein Vater hatte öfter über Boerne gemeckert aber Lukas war auch aufgefallen, dass er viel von Boerne erzählte, sehr viel, er war wirklich bei jedem Telefonat Thema gewesen. Ihm selber war das vermutlich gar nicht aufgefallen. Wobei, jetzt vielleicht schon, wenn sie jetzt zusammen waren. Ein leises Lachen drang an Lukas' Ohr.

"Ja, Boerne", sagte er. "Wer hätte das gedacht, oder?"

"Streiten wie ein altes Ehepaar konntet ihr ja schon immer."

"Ja, können wir auch weiterhin gut."

Lukas prustete etwas. Aber er merkte, dass sein Vater jetzt gelöst und glücklich klang, ähnlich wie Lukas sich fühlte.

"Aber jetzt erzähl mir mal von deinem Chris", sagte sein Vater und das tat Lukas nur zu gerne, er könnte Stundenlang über Chris reden, sein bester Freund war schon ein bisschen genervt davon. Sein Vater hörte ihm aber geduldig zu.

Irgendwann hörte er eine Stimme im Hintergrund.

"Frank?" rief eine männliche Stimme.

"Ist er das?" fragte Lukas jetzt neugierig. Er hatte seinen Vater noch gar nicht gefragt, wie sein nerviger Nachbar zu seinem Partner geworden war.

"Hmhm", machte er. "Warte mal kurz."

Dann wurde seine Stimme leiser, er hatte das Telefon wohl vom Ohr genommen.

"Bin mit Lukas am Telefon", hörte er ihn sagen. "Nee, hab's ihm erzählt." Boerne musste dazwischen was gesagt haben, das er nicht gehört hatte. Er hörte ganz leise das Geräusch von einem Kuss und musste grinsen. Dann wurde die Stimme wieder lauter.

"Sorry, Lukas", sagte er. "Bin wieder da."

"Wohnt ihr schon zusammen?" wollte Lukas wissen.

"Nee, er hat nur einen Schlüssel und generell keinen Sinn für Grenzen."

Lukas erinnerte sich, dass Boerne relativ oft einfach aufgetaucht war. Und wie genervt sein Vater gewesen war. Jetzt klang er aber nicht genervt sondern irgendwie verliebt. Und dann fragte Lukas, wie sein Vater denn mit Boerne zusammen gekommen war und jetzt war es an ihm zuzuhören. Er hatte seinen Vater noch nie so glücklich gehört. War wirklich schön, dass er nicht mehr alleine war.

Sie verabschiedeten sich irgendwann und er verließ sein Zimmer, um seiner Mutter das Telefon wieder zu bringen.

"Das hat ja lange gedauert", sagte sie. "Ich nehme an, es lief also gut."

Lukas grinste breit. "Er ist auch wieder in einer Beziehung", sagte er.

"Ach? Wie heißt sie denn?" wollte sie wissen.

"Du kennst doch den komischen Typen, der ihm gegenüber wohnt, der immer und überall Anzüge zu tragen scheint?"

Ihre Augen wurden groß. "Der?" fragte sie und musste lachen. "Na da haben sich ja zwei gefunden."