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"Wer ist er eigentlich?", fragte Basti über seinen Drink hinweg und nickte mit dem Kinn hinter ihn.
Irritiert drehte Dima sich um und folgte dem subtilen Fingerzeig mit seinem Blick. Nahe der Tür zur Küche standen Kevin und Marcel - beide mit einem Bier in der Hand - und unterhielten sich.
Für einen Moment traf Marcels Blick seinen und er grinste kurz, bevor Dima sich wieder Basti zuwandte.
"Meinst du Marcel?", fragte er und Basti zuckte mit den Schultern, "Er ist ein Freund von mir. Kevin kennt er, glaube ich, über Felix."
Basti zog die Augenbrauen hoch und ließ seinen Blick durch den Raum schweifen: "Ein Freund sagst du?", seine Augen fokussierten sich wieder auf Dima und er schmunzelte, "Weiß er das auch?"
Verwirrt starrte Dima ihn an, bis sich seine Augen langsam zu weiten begannen: "Wirkt es so als wären wir keine Freunde?!", nervös spielte er mit seiner Bierflasche, "Denkst du, er denkt, er ist mir egal? Oder das-"
Er stoppte sich selbst, als er das amüsierte Glitzern in Bastis Augen sah.
"Nein, Dima, ich denke, er weiß, dass du ihn magst.", erwiderte Basti schmunzelnd, "Ich bin sogar ziemlich sicher, denn anders kann ich mir wirklich nicht erklären, warum er schon seit einer halben Stunde versucht, mich mit Blicken zu erdolchen."
"Wie meinst du das, Basti?", blinzelte Dima, doch Basti sah schon gar nicht mehr zu ihm, sondern griff Zombey, der gerade Richtung Küche lief, am Arm und zog ihn zu sich.
"Hi, na?", meinte der überrascht, aber breit lächelnd, als Basti einen Arm um seine Hüfte schlang und den Daumen in seine Hosentasche hakte.
Basti grinste und beugte sich noch näher zu ihm. Dima fühlte sich fast wie ein Eindringling.
"Rettest du mir kurz das Genick und küsst mich?", hauchte Basti, sodass Dima ihn fast nicht hörte.
Zombeys Blick wandelte sich kurz in verwirrt, dann grinste er und legte seine Hand an Bastis Wange.
Er flüsterte etwas, von dem Dima sehr erleichtert war, dass er es nicht verstand und küsste Basti dann.
Schnell wandte Dima den Blick ab und fand zufälligerweise Marcels, der mittlerweile mit Kevin und Felix an der Couch lehnte.
Grinsend deutete er auf Basti und seinen Freund und verdrehte die Augen. Marcel grinste zurück und deutete dann mit einer unscheinbaren Geste auf Kevin und Felix.
'Die beiden sind genauso.'
Das ließ Dima schmunzeln, dann sah er wieder zu Basti, der sich gerade von Zombey löste.
"Danke, Schatz", meinte Basti und ließ langsam von seinem Freund ab. Zombey grinste - und Dima bemerkte erneut wie verliebt die beiden sich ansahen - bevor er erwiderte: "Gerne gerne, aber heute Abend musst du mir erklären, wofür eigentlich."
"Mach ich, wenn ich mit Dima fertig bin, komm ich mal zu dir, ja?", erwiderte Basti und Zombey nickte nur, bevor er Dima kurz zulächelte und dann wieder verschwand.
"So, jetzt hab ich endlich meine Ruhe", meinte Basti dann und nippte an seinem Drink. Als er wieder zu Dima sah, begann er sofort leise zu kichern: "Wie du guckst!"
Dima blinzelte und wartete darauf, dass Basti endlich anfing zu erklären.
"Dieser Marcel", fasste Basti sich endlich, "hat mich die ganze Zeit angeschaut als würde ich, keine Ahnung, sein Bankkonto leer räumen.", er grinste, "Und wir wissen beide, dass ich das echt nicht nötig habe:"
Dima verdrehte die Augen, aber schmunzelte: "Basti, bitte, was meinst du damit überhaupt?"
Genervt fuhr Basti sich durch die Haare: "Dima, bitte! Der Typ ist eifersüchtig auf mich!"
Irritiert blinzelte Dima: "Marcel? Warum sollte er eifersüchtig auf dich sein?"
Verzweifelt schüttelte Basti den Kopf und nahm einen großen Schluck von seinem Drink: "Dima, du machst mich fertig. Er denkt, ich flirte mit dir. Er will was von dir. Er steht auf dich! Wie deutlich soll ich es denn noch sagen?!"
Und Dima fühlte sich, als würde ihm der Boden unter den Füßen weggezogen werden.
"Marcel… steht auf mich?", sein Blick suchte automatisch den Raum ab. Und fand Marcel immer noch beim Sofa, jetzt aber mit Niek und Heiko. Wieder trafen sich ihre Blicke und Marcel lächelte. Dann zog er besorgt die Stirn kraus - und Dima konnte sich gut denken wieso, sein Gesicht war bestimmt weiß wie die Wand - bevor er vorsichtig in Richtung Balkon gestikulierte.
'Brauchst du frische Luft?'
Schnell schüttelte Dima den Kopf und zwang sich zu einem Lächeln. In seinem Kopf herrschte völlige Leere. Es war als wären einfach alle Sicherungen durchgebrannt.
Marcel sollte auf ihn stehen?!
Blitzschnell wandte er sich wieder Basti zu: "Basti. Woher weißt du das?!"
Basti grinste über seinen Drink hinweg und ließ sich mit seiner Antwort Zeit: "Naja, Dima, erstmal schaut er schon den gesamten Abend ständig zu dir rüber, mich wundert's ehrlich, dass du dich nicht beobachtet fühlst. Dann hat er mir, seit ich dich vorhin angesprochen habe, konstant giftige Blicke zugeworfen. Was er zum Glück endlich unterlässt, seit ich Zombey geküsst habe. Und eventuell…", Basti nahm einen genüsslichen Schluck von seinem Drink, "habe ich zufällig mitbekommen, wie er mitten im Satz aufgehört hat zu reden, weil du dich gestreckt hast."
Feixend grinste Basti ihn an und Dima spürte wie ihm die Röte ins Gesicht stieg.
"Und du bist dir das ganz sicher, Basti?"
"100%, Dima", bestätigte Basti und Dima blinzelte.
Ein nervöses Flattern machte sich in seinem Bauch breit und sein Herz klopfte schneller.
"Und was mach' ich jetzt?", platzte es aus ihm heraus.
Basti zuckte mit den Schultern: "Wenn du ihn auch magst, flirte zurück."
Aufgeregt nickte er: "Ja. Ja, klar, du hast recht.", nervös drehte er seine Bierflasche hin und her, dann stockte er, "Aber, Basti, wie-"
"Na, alles gut bei euch?", unterbrach Marcels Stimme ihn und ein Schauer durchfuhr ihn, als seine Hand auf seiner Schulter zum Ruhen kam, "Ich glaub' wir kennen uns noch nicht. Ich bin Marcel."
"Basti", erwiderte Basti und lächelte höflich.
Marcel grinste zurück und Dima spürte seine Wärme neben sich: "Freut mich. Und ihr kennt euch schon länger?"
"Ungefähr ein halbes Jahr würde ich schätzen", nickte Basti und nippte an seinem Drink, "Dima hat erwähnt, dass ihr Freunde seid, wundert mich, dass wir uns noch nicht eher begegnet sind."
Marcel lachte, doch Dima spürte wie seine Hand auf seiner Schulter sich kurz verkrampfte. Instinktiv legte er seine eigene Hand auf Marcels und suchte seinen Blick. Für einen winzigen Moment sahen sie sich an und das nervöse Flattern in Dimas Bauch verdoppelte sich, als Marcels Gesichtszüge sich ein wenig entspannten, bevor er sich wieder Basti zuwandte.
"Ja, ich hatte in letzter Zeit viel um die Ohren."
Basti nickte verständnisvoll und setzte dann eine entschuldigende Miene auf: "So gern ich noch weiter mit euch reden würde: ich hab' meinem Freund versprochen, dass ich ihn gleich suchen kommen würde. Es war auf jeden Fall sehr schön dich kennenzulernen, Marcel, vielleicht schaffen wir es im Laufe des Abends ja nochmal zu quatschen.", dann wandte er sich Dima zu und grinste, "War schön mit dir, Dima, wenn wir uns heute Abend nicht mehr treffen, warum auch immer, schreib mir, ja?"
"Mach ich, Basti", erwiderte Dima und Basti zwinkerte verschwörerisch.
"Mach's gut, mein Bester."
"Tschau, Basti"
Basti verschwand in dieselbe Richtung, in die auch Zombey gegangen war, und Dima realisierte erst jetzt, dass er mit Marcel allein war.
Der grinste und ließ von ihm ab, um sich an der Stelle an die Wand zu lehnen, an der Basti bis gerade eben noch gestanden hatte.
"Was geht?"
"Hi, Marcel", brachte er heraus und versuchte wirklich nicht zu sehr darauf zu achten, wie sehr das Shirt seine Schultern betonte.
Marcel musterte ihn einmal und lächelte dann: "Wir haben uns lang nicht mehr gesehen. Du siehst gut aus, der Pullover steht dir."
Überrascht sah Dima ihn an: "Wirklich?! Danke."
War das Flirten? Basti hatte gemeint, er sollte zurück flirten, aber wie?
Wie flirtete man mit einem Freund?
"Du siehst auch gut aus, wirklich", platzte es ihm heraus. Ganz automatisch und er nahm schnell einen Schluck aus seiner fast vollen Bierflasche.
Marcel lächelte und die bunten Lichter spiegelten sich in den Drähten seiner Zahnspange. Dima fühlte sich ein bisschen schwummrig unter Marcels Blick. Alles war plötzlich wärmer und er fragte sich, ob es sich anders anfühlte jemanden mit Zahnspange zu küssen.
"Danke, man.", erwiderte Marcel und lehnte sich ein Stück zu ihm.
Aufregung machte sich in ihm breit. Basti hatte gesagt, er wäre sich zu 100% sicher, dass Marcel auch auf ihn stand.
Und er vertraute Basti. Denn irgendwie machte es auch Sinn. Weil Marcels Blicke schon so alltäglich waren, dass er sie nicht einmal mehr wirklich spürte. Außer jetzt, wo seine grauen Augen im bunten Licht leuchteten und ihn mit etwas beobachtete, das Dima jetzt zum ersten Mal auffiel, aber wahrscheinlich schon länger da gewesen war.
Und Dima fühlte sich mutig. Auch ohne, dass er viel Alkohol getrunken hatte - nicht einmal ein Bier - weil Marcels pure Anwesenheit das Adrenalin durch seine Adern pulsieren ließ.
Aber egal, wie mutig er sich fühlte und wie sehr er sich sicher war, dass Basti recht hatte, dass Marcel - von allen Leuten - auf ihn stand, wusste er trotzdem nicht, was er tun sollte.
"Dima?", riss Marcels Stimme ihn aus seinen Gedanken.
Plötzlich war Marcel näher, seine Stimme leiser, rauer.
Der Switch war eindeutig, schnürte Dima die Luft ab, auf die beste Art und Weise.
"Hm?", murmelte er und blickte zu Marcel auf.
"Ich hab gefragt, ob das okay ist?", wiederholte Marcel und grinste in dieser Art, die Dima sofort wieder zu Kopf stieg.
Erst dann bemerkte er, dass Marcel sich neben ihm an die Wand stützte.
Das erklärte die Nähe, lieferte sein Kopf unhilfreicherweise.
"Mehr als okay.", antwortete er leise und lehnte sich ebenfalls näher zu Marcel.
Der grinste, dann nahm er Dima das Bier aus der Hand und stellte es zusammen mit seinem neben sie auf den Boden.
Doch bevor Dima auch nur darüber nachdenken konnte, Marcel einfach zu küssen und alle Vorsicht in den Wind zu schlagen, wandelte Marcels Gesichtsausdruck sich und er fuhr sich mit der freien Hand durchs Gesicht.
"Bitte, Dima, sag mir, dass ich das hier nicht falsch verstehe.", murmelte er und all die Selbstsicherheit war aus seinem Blick verschwunden.
Und Dima wollte ihn trotzdem noch immer so sehr küssen, dass es fast schon weh tat, ihm so nah zu sein und einfach nichts zu tun.
Aber Marcel hatte recht.
Dima wollte ihn nicht verletzen. Und selbst nicht verletzt werden.
"Ich hoffe es zumindest", erwiderte er leise und lehnte sich ein Stück zurück, um klarer denken zu können.
Marcel lächelte ein bisschen, dann wurde er wieder ernst. Und sah dabei immer noch so gut aus, dass Dima alles um sie herum vergaß.
"Ist das hier für dich…", er stockte, wich Dimas Blick aus, "nur körperlich?"
Dimas Herz schlug schneller: "Nein."
Das Lächeln, das sich auf Marcels Lippen legte, sendete ein warmes Kribbeln durch seinen ganzen Körper und alles wurde warm, als Marcels Hand an seine Wange wanderte.
"Gut", meinte er erleichtert, "Für mich nämlich auch nicht."
Ein Stein fiel Dima vom Herzen, von dem er nicht gewusst hatte, dass er ihn belastete.
Basti konnte nicht zwischen Attraktion und echten Gefühlen unterscheiden. Nicht in der Kürze der Zeit. Nicht ohne Marcel genauer zu kennen.
Aber jetzt war es klar. So eindeutig. Offensichtlich.
"Darf ich dich küssen?", platzte es aus Dima heraus.
Marcels Augen weiteten sich und Dima könnte schwören, dass seine Ohren rot wurden.
"Bitte", hauchte Marcel und im nächsten Moment waren sie so nah aneinander.
Marcels Hand an seiner Wange brannte heiß auf seiner Haut, seine Nase streifte über Dimas Wangenknochen.
Und dann trafen Dimas Lippen auf seine. Leicht, sanft, aber mit Nachdruck. Alles drehte sich und Dima schlang seine Arme um Marcels Hüfte, um nicht zu fallen.
Zog ihn noch näher, bis seine Brust seine berührte.
Marcel schmeckte nach Bier und Vapes und Dima hasste es ein bisschen, doch im Moment war ihm alles egal. Außer, dass er ihn endlich küssen konnte.
Außer Atem löste Marcel sich von ihm und ließ seine Hände in seinen Nacken wandern: "Fuck.", brachte er heraus und strahlte, "Du checkst nicht, wie lang ich das schon wollte."
Dima war noch immer sprachlos. Er hatte einfach Marcel geküsst.
Ein riesiges Lächeln schlich sich auf seine Lippen.
Er hatte Marcel geküsst.
Und er konnte es einfach wieder tun.
Ohne weiter darüber nachzudenken, zog er Marcel an der Hüfte näher, streckte sich und küsste ihn nochmal.
