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Q und andere Katastrophen

Summary:

Nach seinem letzten Besuch auf der Voyager vor einigen Monaten hat Q eine drastische Entscheidung gefällt. Eine Entscheidung, die nicht nur sein Leben, sondern auch das von Captain Janeway in erheblichem Maße verändern wird.

Notes:

Dies ist eine ziemlich lange Geschichte, an der ich schon eine ganze Weile schreibe. Ein wirkliches Ende ist noch nicht abzusehen, derzeit gehe ich von einer Länge von ca. 50-60 Kapiteln aus.

Bitte zur Kenntnis nehmen: Die Geschichte wird zum Ende des ersten Drittels (vmtl. ab Kapitel 15/16) sehr düster werden, doch dann irgendwann auch wieder Lichtblicke zeigen.

Eine englische Übersetzung ist auch in Arbeit, wird sich aber noch hinziehen.

Chapter 1: Eine gute Entscheidung?

Chapter Text

Misstrauisch und mit einem Gefühl absoluten Unwillens schaute der blonde Mann zu seinem Gegenüber. Dann sprach er: „Hast du dir das wirklich gut überlegt? Das Kontinuum ist definitiv nicht begeistert von deinem Wunsch, aber es ist bereit, ihn dir zu gewähren. Mit allen Konsequenzen, die diese Entscheidung mit sich bringen könnte...“

Voller Überzeugung nickte der andere Mann. „Ja, ich habe darüber lange nachgedacht. Für mich ist dies die einzig richtige Entscheidung, das Beste, was ich derzeit tun könnte.“

„Lange? Seit wann sind ein paar Jahre eine lange Zeit für einen Q? Nach unserem Verständnis handelt es sich hierbei um eine spontane Entscheidung. Lange über etwas nachdenken und sich dann entscheiden würde nach unseren Maßstäben eher einige Jahrhunderte bis Jahrtausende umfassen. Q, ich bin absolut nicht überzeugt, dass du so etwas tun solltest. Du wirst sterblich, musst dich allen Einschränkungen unterwerfen, die Humanoiden auferlegt sind...“

„Ich habe aber nicht mehrere Jahrhunderte Zeit, das wisst Ihr ganz genau!“, unterbrach ihn der dunkelhaarige Q.

„Ja, ja, ich weiß. Was musstest du dir auch ausgerechnet so eine kurzlebige Spezies heraussuchen? Wenn es wenigstens eine El-Aurianerin gewesen wäre, die leben immerhin knapp tausend Jahre und nicht nur lächerliche hundert.“

Bei der Erwähnung dieser Spezies schüttelte sich der angesprochene Mann und verzog theatralisch das Gesicht.

„Danke, aber nein danke! Mit dieser Spezies hatte ich schon mehr als genug Erfahrungen. Äußerst unangenehme Erfahrungen …“

„Ja, weil du es selbst vermasselst hast. Sie hasst dich ja bis heute noch dafür.“, fiel ihm daraufhin der blonde Mann ins Wort.

„In Ordnung. Ich habe damals Fehler gemacht, das gebe ich zu. Seid Ihr jetzt zufrieden? Wollt Ihr mich vielleicht noch weiter belehren oder mir meine Verfehlungen unter die Nase reiben? Seit dieser Zeit hat sich vieles geändert. Ich habe mich geändert.“

Zu mehr als einem tiefen Seufzer sah sich der blonde Q nicht in der Lage, als er den anderen Mann lange und kritisch ansah.

„Warum denn ausgerechnet ein Mensch, Q? Was willst du bei solch einer unterentwickelten Spezies? Wenn du dir unbedingt eine Partnerin im Reich der Sterblichen suchen willst, lass uns doch nach einem passenderen Exemplar Ausschau halten. Eine Partnerin, die eines Qs wenigstens ansatzweise würdig sein kann.“

„Sie ist es wert! Und sie ist eines Qs würdig!“, protestierte der dunkelhaarige Q. „Ich will meine Kathy haben, egal wie!“

Bei dieser Aussage konnte der andere Q nicht anders als verständnislos mit dem Kopf zu schütteln. „Ein Q, der sich in eine Humanoide verliebt hat und bereit ist, für sie alles aufzugeben. Q, du bist verrückt geworden. Und wir haben dir diesen Wunsch auch nur gewährt, weil wir wissen, dass du schon viel zu lange bei den Menschen warst und von ihnen unweigerlich beeinflusst wurdest. Ich kann nur hoffen, dass das beschränkte Leben bei diesen Sterblichen dich möglichst bald zur Vernunft kommen lässt. Wir erkennen dich alle nicht mehr wieder ...“

Kaum hörbar für einen Menschen, doch noch deutlich verständlich für den scheinbar humanoiden Mann ihm gegenüber, murmelte er: „Wir hätten dir damals niemals erlauben dürfen, so viel Zeit auf der Enterprise zu verbringen und dich mit diesen Wesen … urgh … anzufreunden. Du bist eigentlich jetzt schon kein richtiger Q mehr.“

„Wenn das eure Sichtweise ist, müsste es doch ganz in eurem Interesse sein, dass ich das Kontinuum verlasse. Ihr müsst mich noch nicht einmal aufwändig verbannen, indem Ihr mir vorher den Prozess macht. Wahrscheinlich würdet Ihr erst einmal mehrere Jahrhunderte lang diskutieren, was Ihr mit mir machen sollt. Mit meiner Entscheidung erspare ich Euch also eine Menge Bürokratie und Ärger.“

„Das glaube ich erst, wenn ich es mit eigenen Augen sehe. Du bist der Inbegriff von Ärger, Q. Immer aufmüpfig, biegst die Regeln, wie es dir passt und ich will gar nicht darüber nachdenken, in wie vielen Sonnensystemen, bei wie vielen Spezies ich mich im Nachhinein für dein unverantwortliches, egozentrisches Verhalten entschuldigen musste.“

„Ich habe mich längst geändert!“, protestierte sein Gegenüber beleidigt. „Seit ich Kathy kenne ...“

„Ja, ja, Q. Ich weiß. Und das müssen wir dieser weiblichen Humanoiden tatsächlich zugute halten: Sie hatte einen profunden Einfluss auf dich. Trotzdem hättest du dich niemals so tief auf sie einlassen sollen. Liebe ist eine Emotion für die Sterblichen. Sie ist sicher sehr hilfreich für den Vermehrungsprozess dieser niedrigeren Spezies. Doch ein Q sollte über solch einer Emotion stehen und sich schon gar nicht von ihr beeinflussen lassen.“

Er merkte, wie sein Gesprächspartner die Augen verdrehte und den Kopf schüttelte.

„Das willst du alles gar nicht hören. Du glaubst, ich hätte Unrecht. Das ganze Kontinuum hätte Unrecht. Rebellisch und stur wie eh und je. Dir ist anscheinend wirklich nicht mehr zu helfen.“

„Nein, das ist es nicht. Ich will es so. Punkt. Aus. Ende der Diskussion. Ihr habt es mir versprochen!“, beharrte der andere Q auf seinem Recht.

Scheinbar mit seinem Latein am Ende hob der blonde Mann abwehrend die Hände und rief mit einem gewissen Frust in seiner Stimme aus: „Okay, okay! Wir haben dich gehört.“

Dann blickte er den dunkelhaarigen Q noch einmal an, seufzte tief und meinte schließlich: „Dann soll es so sein. Auf deine eigene Verantwortung.“

Er schnippte einmal kurz mit seinen Fingern. Auch wenn sein Gegenüber völlig unverändert zu schien, war beiden sofort klar, dass der dunkelhaarige Mann nun nicht mehr der gleichen Spezies angehörte.

„So, du bist nun ein Mensch. Ich kann nur hoffen, du hast die richtige Entscheidung getroffen.“

Als Antwort erhielt er nur ein zufriedenes Grinsen.

 

 

***

 

Seven of Nine war auf dem Weg in den Frachtraum, um sich in ihrem Alkoven zu regenerieren, als sie ein fremdes Individuum auf dem Gang registrierte. Ein großer dunkelhaariger Mann in schwarz-roter Sternenflotten-Uniform mit den Abzeichen eines Captains. Er ließ sich gerade vom Computer auf den Displays an der Wand den Weg zur Brücke beschreiben.

„Wer sind Sie und was machen Sie da?“, rief Seven, als sie sich dem Mann näherte.

Als sie sein Gesicht sah, konnte sie sich den ersten Teil ihrer Frage selbst beantworten. Durch ihr Wissen aus dem Kollektiv, das im Laufe der Zeit viele Sternenflotten-Captains assimiliert hatte und anhand der Informationen, die die Borg über Locutus – Picards Name während seiner Zeit beim Kollektiv – über die Begegnungen der Enterprise mit verschiedenen Spezies erhalten hatte, konnte sie das Individuum ihr gegenüber sofort als „Q“ identifizieren. Ein Mitglied des allmächtigen Q-Kontinuums, das selbst das Borg-Kollektiv als übermächtigen Gegner anerkannt und bisher keinen Versuch unternommen hatte, Mitglieder dieser Spezies anzugreifen. Nach Spezies 8472 war dies bisher die einzige Spezies, die die Borg hätte vernichten können. Ein Umstand, der insbesondere der Borg-Königin sehr wohl bewusst war und die somit besonders darauf bedacht war, niemals einen Konflikt mit den Q zu provozieren.

 

Dieser Q war schon mehrfach auf der Enterprise, auf Deep Space Nine und sogar hier auf der Voyager in Erscheinung getreten. Zuletzt während des Bürgerkriegs im Q-Kontinuum und schließlich zusammen mit seinem Sohn, Q Junior, dessen Patentante Captain Janeway war. Doch im Normalfall bedeuteten Qs Besuche auf einem Raumschiff nur Ärger und Chaos, weil sich das omnipotente Wesen mal wieder langweilte und scheinbar zu seiner eigenen Erheiterung makabere, bizarre Scherze mit der Crew trieb, über die nur er selbst lachen konnte. Oder aber er unterzog die Humanoiden irgendwelchen Tests, nachdem sich die Q auch quasi als eine Art Hüter des Universums ansahen. Seine Eskapaden waren selbst dem Kontinuum eines Tages zu weit gegangen und man hatte ihm kurzerhand seine Kräfte genommen und ihn in einen Menschen verwandelt. Nach einer selbstlosen Tat, bei der Q bereit gewesen war, sein Leben zu opfern, hatte das Kontinuum ihn schließlich begnadigt und wieder aufgenommen.

 

Nach Sevens relativ lauter und eindeutig missbilligender Ansprache, die offenbar ihm galt, drehte sich Q erstaunt um. Er vergaß für kurze Zeit, dass er jetzt eigentlich ein Sterblicher und damit verwundbar war, und antwortete in der für ihn typischen arrogant-belustigten Art: „Ah, die Borg-Drohne. Janeways Vorzeigeprojekt und Wachhund in einem.“

Diese offensichtliche Beleidigung ließ Seven eine Augenbraue hochziehen und ihr Gegenüber noch misstrauischer betrachten. Sie tippte ihren Kommunikator an.

„Seven of Nine an Sicherheit. Eindringlingsalarm. Deck 8, Sektion 9. Wir haben hier ...“

Weiter kam sie nicht. Mit einem Mal wurde das Schiff durchgeschüttelt, als ob es in eine Art Dauerbeschuss geraten wäre. Sofort ertönte der rote Alarm und sie hörte, wie der Captain allen Crewmitgliedern befahl, die Kampfstationen einzunehmen.

Es krachte, zischte und blitzte, als Terminals überhitzten und explodierten. Schotts wurden aus den Wandverankerungen gerissen und der Korridor war innerhalb von Sekunden zu einer lebensbedrohlichen Falle geworden. Ohne sich um den unerwünschten Gast zu kümmern, rannte Seven los, um sich in Sicherheit zu bringen. Sie sah dabei nicht, wie Q ihr hinterher rannte. Sein Gesichtsausdruck spiegelte eine Mischung aus Schreck, Überraschung, aber auch blanker Panik wider. Eigentlich hatte er nur „seine Kathy“ auf der Brücke überraschen wollen. Doch jetzt musste er um sein Leben rennen, weil die Voyager offensichtlich plötzlich in einen Kampf verwickelt war. Für seinen Besuch und die damit verbundene Transformation in einen Sterblichen hatte er sich offenbar einen sehr schlechten Zeitpunkt ausgesucht …

 

Q folgte Seven unbemerkt in den Frachtraum, wo diese an einer Terminal-Station versuchte, sich einen Blick über die aktuelle Lage zu verschaffen. In der Astrometrie hätte sie dies viel leichter tun können, doch unter den gegebenen Umständen hatte sie keine Möglichkeit, dieses Labor lebend, geschweige denn unverletzt zu erreichen.

Eine weitere gewaltige Explosion erschütterte das Schiff und ließ im Frachtraum unzählige Container und Werkzeuge zu Boden fallen. Beinahe zeitgleich ertönte ein markerschütternder Schrei, der Seven erschrocken herumfahren ließ. Doch sie hatte keine Möglichkeit mehr herauszufinden, woher dieser Schrei gekommen war, als ein Teil des Alkovens herausriss und sie am Kopf traf. Bewusstlos sank die ehemalige Borg-Drohne zu Boden.

 

***

 

„Brücke an Seven of Nine! Bitte melden!“

Abermals versuchte Commander Chakotay von der Brücke aus Seven zu erreichen. Zum einen, weil er sich natürlich Sorgen machte um die junge Frau, mit der er seit einigen Monaten eine Beziehung führte. Zum anderen, weil er hoffte, dass Seven of Nine es bis zur Astrometrie geschafft hatte und ihnen nun vielleicht einen Hinweis darauf geben konnte, was das Schiff getroffen und so massiv beschädigt hatte. Einen Angriff durch Fremde schlossen er und Captain Janeway bislang aus. Doch die Sensoren waren zum größten Teil beschädigt oder ausgefallen, so dass es fast unmöglich war, festzustellen, was die Ursache für dieses Ereignis, scheinbar aus dem Nichts, gewesen war.

„Seven! Bitte antworten Sie!, versuchte es Commander Chakotay erneut. „Seven! Melden Sie sich!“

Seine Worte drangen allmählich zu der jungen Frau durch, die noch immer benommen und mit einer Kopfplatzwunde auf dem Boden des Frachtraums lag. Sie richtete sich mit Mühe auf, versuchte sich zu orientieren und konnte schließlich ihren Kommunikator antippen.

Mit rauer, angestrengter Stimme antwortete sie in abgehackten Sätzen: „Seven hier … was ...was ist los… Im Frachtraum … Eine Explosion ...“

Captain Janeway und Chakotay sahen sich besorgt an. Hoffentlich war Seven of Nine nicht so schwer verletzt, wie es gerade klang.

„Seven, sind Sie okay? Sind Sie verletzt?“

Noch immer mit Mühe antwortete Seven: „J..Ja, … aber es geht … ich bin … etwas … beschädigt ...“ „Es blutet“, fügte sie noch hinzu, als sie die Hand zur Stirn führte, dort etwas Nasses fühlte und schließlich das Blut auf ihrer Hand sah.

„Seven, wir können Sie leider im Moment nicht richtig orten, wir haben ein paar Probleme mit den Sensoren. Wo genau sind Sie?“

„Im Frachtraum 2.“

„Bleiben Sie, wo Sie sind. Der Doktor wird sich zu Ihnen begeben. Chakotay Ende.“

„Verstanden!“

 

„Chakotay an den Doktor.“

„Sprechen Sie, Commander.“

„Seven of Nine ist im Frachtraum 2, sie wurde offensichtlich verwundet. Bitte gehen Sie dorthin und helfen Sie ihr. Ich will nicht, dass sie alleine versucht, zur Krankenstation zu gelangen.“

„Verstanden.“

Dann drehte sich Chakotay zu Captain Janeway und blickte sie an. Diese verstand die unausgesprochene Frage und nickte.

„Gehen Sie runter in den Frachtraum und machen Sie sich ein Bild, was dort und in den umliegenden Sektoren beschädigt ist. Dann können Sie mir von der Krankenstation aus eine Rückmeldung geben.“

Sie fügte noch hinzu: „Natürlich auch, wie es Seven of Nine geht.“

Captain Janeway wusste, wie viel Seven Chakotay bedeutete, und da er gerade auf der Brücke nicht viel tun konnte, bis die Reparatur-Teams ihre Arbeit gemacht hatten, konnte er genauso gut auch auf Deck 8 nach dem Rechten sehen.

 

***

 

Als der Doktor im Frachtraum materialisierte, sah er, wie Seven versuchte sich aufzurichten, und lief direkt auf sie zu. Er legte ihr eine Hand auf den Oberarm.

„Bleiben Sie liegen, Seven! Sie sind verletzt. Lassen Sie mich erst eine kurze Untersuchung vornehmen, bevor ich weiß, ob wir Sie nicht besser gleich auf die Krankenstation beamen.“

Stur wie eh und je setzte sich Seven jedoch auf und schob die Hand des Doktors weg.

„Doktor, mir geht es wieder gut. Es ist vermutlich nur eine Platzwunde.“

Milde lächelnd nickte der Doktor, nahm aber trotzdem die Sonde und seinen medizinischen Tricorder, um Seven ausführlicher zu untersuchen.

„Das mag schon sein, aber ich möchte auf Nummer Sicher gehen...“

 

In diesem Moment öffnete sich zischend die große Tür des Frachtraums und Commander Chakotay trat herein. Erfreut, dass es Seven offenbar schon wieder besser ging, lief er auf sie zu.

„Seven! Ist alles ...“

„Okay“ hatte Chakotay sagen wollen, doch als sein Blick zufällig zur linken Seite fiel, stockte ihm der Atem: Hinter einer Reihe umgefallener Container lag Q, in einer immer größer werdenden Blutlache, regelrecht durchbohrt von einem Wand-Fragment, das in seinem Abdomen steckte. Seine Augen waren geschlossen und er rührte sich nicht.

„Oh mein Gott!“, brachte Chakotay schließlich raus. Dann schrie er, während er selbst zu Q lief und sich anschließend zu diesem niederkniete: „Doktor, schnell! Hierher!“

Überrascht blickte das MHN auf. War noch jemand im Frachtraum gewesen? Chakotays Stimme hatte beinahe panisch geklungen. Was war da auf der anderen Seite?

So schnell er konnte, lief er zum Commander. Das Bild, was sich ihm dann bot, war Erklärung genug. Zwar konnte er sich nicht erklären, warum Q, eigentlich ein unsterbliches, nach humanoiden Maßstäben unverwundbares Wesen, dort blutüberströmt auf dem Boden lag. Doch er benötigte eindeutig die Hilfe des Doktors.

„Commander, können Sie sich um Seven kümmern? Sie ist nur leicht verletzt und kann zur Krankenstation laufen. Das hier ...“, er deutete auf den schwer verletzten Q, während er ihn schnell mit seinem medizinischen Tricorder scannte, „kann nicht warten.“

„Natürlich, Doktor!“, antwortete Chakotay, immer noch geschockt und nicht in der Lage zu verstehen, warum er sah, was er da gerade sah.

Der Doktor kniete sich neben Q, legte die eine Hand auf seine Schulter und tippte mit der anderen Hand auf den Kommunikator.

„Nottransport. Auf die Krankenstation.“

Zwei Sekunden später waren er und sein Patient dematerialisiert und weitere zwei Sekunden später auf der Krankenstation. Er kniete noch immer neben Q, aktivierte abermals das Com-System, um Captain Janeway zu kontaktieren.

„Doktor an den Captain!“

„Sprechen Sie, Doktor!“

„Captain, wir haben hier einen Notfall und ich brauche Lieutenant Paris für die Assistenz bei einer Not-OP.“

„Ist genehmigt. Tom?“

Captain Janeway nickte zu ihrem Piloten, der sofort aufstand und sich auf den Weg zur Krankenstation machte.

„Captain, ich denke, Sie sollten besser hier runter kommen. Es ist wirklich wichtig ...“, ergänzte der Doktor, ohne darauf einzugehen, wer sein Patient war.

Captain Janeway zog erstaunt eine Augenbraue hoch und blickte zu Tuvok.

„Tuvok, Sie haben die Brücke. Ich bin dann auf der Krankenstation.“

„Ay, Captain!“

 

***

 

„Doktor? Was gibt es? Was ist denn pass….“

Tom stoppte mitten im Satz, als er den blutüberströmten Q auf dem OP-Bett liegen sah. Da der Doktor ihm kurz zuvor die komplette Kleidung ausgezogen und ihn nur bis zur Leiste bedeckt hatte, bot sich Tom ein noch verstörenderes Bild – das dunkelrote Blut auf Qs heller Haut, vom Unterleib bis zur Brust verschmiert, von einer riesigen, tiefen Wunde ausgehend, in der das Fragment steckte.

„Heilige Scheiße! Was ist das denn? Das ist doch gar nicht möglich!“, entfuhr es ihm, während er an das Bett herantrat und geschockt auf den bewusstlosen Q herabblickte.

Der Doktor blickte ihn ernst an, reichte ihm die Instrumente und entgegnete: „Wie es möglich ist, weiß ich nicht. Ich weiß aber, dieser Mann hat schwerste Verletzungen und liegt im Sterben. Auch wenn wir nicht wissen warum: er ist nun ein Mensch.“ Nach einem weiteren Scan fügte er noch hinzu: „Das Fragment hat mehrere innere Organe und die untere Hohlvene getroffen. Wir verlieren ihn, wenn wir die Blutungen nicht schnell in den Griff kriegen.“

Tom atmete einmal tief ein, trat dann rasch an die Seite des Doktors, nahm die Instrumente und versicherte: „Doc, ich bin bereit. Wir werden alles tun, um ihn zu retten. Sagen Sie mir einfach, was ich tun soll.“

„Die Narkose ist bereits eingeleitet. In einer halben Minute ist sie tief genug, dann werden wir zuerst das Fragment entfernen. Wir müssen dabei sehr vorsichtig vorgehen. Es ist extrem wichtig, dass wir dabei keine weiteren Gefäße oder Organe verletzen.“

Tom kam plötzlich ein Gedanke. Er fragte: „Können wir das Fragment eventuell mit dem Transporter erfassen und herausbeamen? Vielleicht kann uns B‘Elanna helfen?“

„Leider nein, Tom.“, musste der Doktor seinen Vorschlag ablehnen. „Um es einfach herauszubeamen, müssten wir den Computer neu programmieren. Dafür bleibt uns keine Zeit. Wir müssen es auf die althergebrachte Weise machen. Sobald das Fragment dann draußen ist, setzen Sie bitte auf Ihrer Seite die Gefäß-Regeneratoren an, ich auf meiner Seite.“

Nach einem weiteren kurzen Scan fügte er noch hinzu: „Q hat bereits viel Blut verloren. Wir müssen ihm, bevor wir anfangen, Bluttransfusionen zuführen. Tom, replizieren Sie bitte das Blut, acht Konserven, Blutgruppe Null negativ, und legen Sie ihm den Zugang.“

„Wird gemacht, Doc!“

 

Kurze Zeit später kam Tom mit den Blutkonserven zurück. Mit wenigen geübten Handgriffen hatte er Q bald darauf einen Venenzugang gelegt und die Transfusion angeschlossen.

„Die Transfusion läuft, Doktor.“ Tom scannte Q kurz und ergänzte: „Aber der Blutdruck fällt bereits massiv.“

„Hoffen wir, dass die Transfusion ihm hilft. Tom, halten Sie sich bitte bereit. Ich ziehe jetzt vorsichtig das Fragment heraus.“

Über das Display konnte der Doktor live sehen, ob er irgendwo vielleicht Verletzungen verschlimmern würde. Das Fragment mit einem Phaser zu zerkleinern, um es einfacher herauszuholen, war zu gefährlich. Dem Holodoc blieb nichts anders übrig, als es an einem Stück herauszuholen.

„Seine Vitalwerte werden immer schlechter, Doc! Er wird tachykard.“, bemerkte Tom, der zu seinem eigenen Erstaunen sehr besorgt um den Zustand dieses ungewöhnlichen und unter anderen Umständen eigentlich ziemlich unbeliebten Patienten war.

„Geben Sie ihm zehn Einheiten Lectrazin.“

Tom nahm eine kleine Ampulle vom Wagen, legte sie in das Hypospray ein und verabreichte Q das Medikament. Dann scannte er ihn noch einmal und nickte.

„Er wird wieder etwas stabiler. Aber ich befürchte, wir werden ihn nicht lange halten können.“

„Wir können nur hoffen, dass er durchhält. Ich muss leider den Eintrittskanal erweitern, sonst richtet das Fragment zu großen Schaden an. Geben Sie mir das Laser-Skalpell.“

 

Nach knapp zwei Minuten hatten die beiden das große Fragment aus Qs Bauch herausholen können. Doch jetzt, wo der Fremdkörper entfernt worden war, begannen die Wunden noch intensiver zu bluten. Nur mit Hilfe der Scan-Vorrichtung am Bio-Bett konnte der Doktor feststellen, dass der Darm mehrfach perforiert war und auch Schäden an Leber, Milz und Magen erkennbar waren. Mit bloßem Auge konnte selbst er vor lauter Blut in der Wunde nichts mehr erkennen.

„Absaugen, Tom. Wir müssen versuchen, erst einmal die Vena cava inferior zu schließen und dann die Perforationen im Darm ...“

Fieberhaft setzten der Doktor und Tom alles daran, um Qs Leben zu retten, seine inneren Verletzungen zu heilen und die Blutungen zu stoppen. Doch das ehemals allmächtige Wesen war so schwer verletzt, dass es ein aussichtsloser Kampf zu sein schien. Nach kurzer Zeit war der Puls wieder gefährlich hoch, während fast zeitgleich die Atmung aussetzte. Dem Doktor blieb schließlich nichts anderes übrig, als Q künstlich zu beatmen.

 

Unbemerkt hatte inzwischen Captain Janeway die Krankenstation betreten, um sich ein Bild der Lage zu verschaffen. Sie wollte nachzuschauen, wer der Notfall war, herausfinden, was genau passiert war.

Auch sie hielt geschockt den Atem an, als sie ausgerechnet Q auf dem OP-Bett liegen sah. Sie spürte sofort, dass das keiner von seinen manchmal etwas makaberen Scherzen sein konnte. War er von einer Q-Waffe getroffen worden? Wenn das der Fall war, konnte ihre humanoide Medizin doch überhaupt nichts dagegen ausrichten… Dann fiel ihr Blick auf die Wunde und sie konnte einen Teil des Darms sehen. War das nur ein Abbild, damit ihr Verstand dies alles begreifen konnte? Oder war Q, aus einem ihr unbekannten Grund, plötzlich ein Mensch? Hatte ihn vielleicht das Kontinuum wieder verbannt und ihm die Unsterblichkeit genommen?

Sie beobachtete einige Minuten, wie der Doktor und Tom schon beinahe verzweifelt versuchten, ihren immer noch stark blutenden Patienten zu retten. Auf einmal ertönte ein langer, durchgehender Ton vom Herz-Lungen-Monitor: Herzstillstand!

„Kortikal-Stimulatoren!“, bellte der Doktor ungewöhnlich aufgebracht.

Tom legte die Geräte auf Qs Stirn an und der Doktor löste den Impuls aus. Qs Körper zuckte heftig zusammen und fiel dann wieder leblos auf das Bio-Bett.

„Nochmal! Erhöhen Sie die Energie um 200 Millijoule!“

„Keine Reaktion, Doktor!“

„Geben Sie ihm zehn Einheiten Cortrazin.“

„Mach ich, Doc!“, antwortete Tom, um Sekunden später mit ernster Miene den Kopf zu schütteln.

„Keine Wirkung!“

„Die Dosis erhöhen auf fünfzehn Einheiten und dann noch mal einen Impuls auf die Kortikal-Stimulatoren geben!“, befahl der Doktor, während er trotz der stark blutenden Wunde versuchte, eine Herzdruck-Massage durchzuführen.

Immer wieder lösten Tom und der Doktor die Kortikal-Stimulatoren aus. Zeitgleich verabreichte der Doktor Q verschieden hohe Dosen Cortrazin und andere Stimulanzien, doch es schien vergeblich zu sein. Nichts brachte sein Herz wieder zum Schlagen. Nach fast zehn Minuten, in denen sie mit allen ihnen bekannten Mitteln und Maßnahmen erfolglos versucht hatten, Q wiederzubeleben, sah Tom den Holodoc fragend an und der schüttelte nach einem kurzen Scan der noch verbliebenen Gehirnaktivität schließlich traurig den Kopf, legte die Instrumente weg und blickte fassungslos auf Q herunter.